Das Zeitempfinden der Hunde

Weiβ dein Hund genau, wann es Zeit für seinen Spaziergang ist? Drück er seine Nase schon an der Fensterscheibe platt,wenn du nach Hause kommst? Kann er wissen wie viel Uhr es ist bzw. spürt er wie viel Zeit vergangen ist?

Wenn wir versuchen das Zeitempfinden unseres Lieblings zu verstehen, wenden wir automatisch unser eigene Erkenntnis an. Denken wir insofern daran, was uns hilft die Zeit zu bestimmen, wenn wir kein Messgerät zur Hand haben: Können wir immer ganz genau bestimmen, wie viel Uhr es ist oder wie viel Zeit vergangen ist? Manche Menschen haben ein ausgeprägt gutes Zeitgefühl und können mit relativer Sicherheit die Uhrzeit bestimmen oder einen Zeitraum einschätzen. Wie machen sie das?

Wie aus der Vergangenheit überliefert könnten man sich am Stand der Sonne bzw. der Intensität des Lichts orientieren, was an einem wolkenverhangenen oder regnerischen Tag allerdings schwierig ist. Oder man erinnert die bisherigen Tagesaktivitäten und schätzt ab, wie viel Zeit man seit dem Aufstehen dafür benötigt. Oder man orientiert sich an den Reaktionen seines Köpers wie z.B. dem Hunger, der nach einem immer gleichen Frühstück verlässlich zur selben Stunde auftritt. Hier wird allerdings das ungefähre Wissen um die Uhrzeit vorausgesetzt, zu der man das Bett verlassen hat. Das menschliche Zeitgefühl ist also keine natürliche Eigenschaft und hängt immer von äußeren (oder inneren) Faktoren ab und setzt voraus, dass man diese einzuordnen weiß.

Komplexe Denkprozesse können unsere geliebten Fellnasen nicht leisten und schon gar nicht ohne das Wissen um unser Zeitsystem eingeteilt in Stunden, Minuten und Sekunden. Er ist also allein darauf angewiesen die Zeit anhand äußerer Einflüsse zu bestimmen. Und das kann er durch seine verstärkten Sinneswahrnehmungen besonder gut.

Retriever window

Wenn unser Vierbeiner also immer zur selben Zeit spazieren gehen möchte, hängt das wohl im Wesentlichen mit dem Lichteinfall zusammen, der herrscht wenn wir gewöhnlich mit ihm raus gehen. Oder ein stetig wiederkehrendes Geräusch wie die Turmuhr oder der Postbote am Briefkasten können ihnen Hinweise darauf geben, dass es nun Zeit für gewisse Aktivitäten ist. Gemäß der klassischen Konditionierung verknüpft der Hund zwei bestimmte sich wiederholende äußere Reize miteinander und „merkt“ sich diese Abfolge durch automatische Assoziation des einen mit dem anderen.

Jeden Abend „weiß“ er also, wann der Zeitpunkt gekommen ist, dass sein geliebtes Herrchen nach Hause kommt. Nämlich kurz nachdem der Nachbar gekommen ist und die Haustür aufgeschlossen hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Theorie, dass Hunde den Zeitabstand bestimmen können, nach dem seine Bezugsperson wieder nach Hause kommen sollte. Nämlich anhand des Geruchs, der kontinuierlich abnimmt mit der Zeit, welche die Person sich außerhalb der Wohnbereichs befindet. Auch dieses „Wissen“ der Vierbeiner beruht wiederum auf dem Konditioniertwerden auf ein bestimmtes Geruchslevel, das erreicht wird, wenn der Mensch (und sein Duft) wieder nach Hause kommt.

Hierzu ein sehr interessantes Video aus der BBC-Reihe ‚Inside the Animal Mind‘ zur Frage „Can dogs tell the time?„. Viel Spaβ beim Anschauen und Staunen.

BBC can dogs tell the time

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