Angsthunde verstehen und mit ihnen umgehen

Wie bei uns Menschen gibt es auch unter Hunden ängstlichere Artgenossen als andere. Eine gewisse Vorsichtigkeit ist in manchen Situationen auch hilfreich, allerdings ändert sich dies, wenn sich die Furcht (vor realen Gefahren) in diffuse Angst verwandelt. Angsthunde können im Gegensatz zu ängstlichen Hunden groβe Probleme im Alltag verursachen, da sie durch unkontrollierte Reaktionen auf einen Schlüsselreiz sich und andere in Gefahr bringen bzw. weil Selbstverteidigung in Angriffsverhalten umschlagen kann.

Besitzer eines Angsthundes müssen ihrem Vierbeiner besondere Aufmerksamkeit widmen und haben es nicht immer leicht im täglichen Umgang mit Menschen und anderen Fellnasen. Daher ist es wichtig sich mit diesem Problem zu beschäftigen und dem Hund so gut es geht bei dessen Bewältigung zu unterstützen.

Wie zeigt sich Angst bei Hunden?

Beobachten wir aufmerksam die Körperhaltung der Hunde wird uns intuitiv klar, welche Charakteristiken typisch sind für eine Angstreaktion. Ein eingezogener Schwanz in geduckter Haltung ist hierbei das deutlichste Zeichen für die Beklemmung, die das Tier in diesem Moment empfindet. Allerdings gibt aber wesentlich mehr Anzeichen dafür:

  • Die erste Reaktion wird immer vom Fluchtinstinkt geprägt sein: Zurückschrecken und Ausweichen.
  • Je nach Intensität der Angst ergibt sich auch eine Verlust der Körperkontrolle: Erstarren.
  • Meist werden diese Reaktionen begleitet von unwillkürlichen Körperreaktionen: vergrößerte PupillenZittern, Hecheln, Herzrasen, Harn- und Kotabsatz.
  • Entsprechende Körperhaltungen können sein: geduckter Kopf, angelegte Ohren, Blickkontakt vermeiden, Lefzen nach hinten ziehen.
  • Es kann auch zu Übersprungshandlungen kommen: Gähnen oder Kratzen.
  • Das verängstigte Tier kann auch deutlicher kommunizieren durch: Bellen, Winseln und Knurren.

Fear little ones

Das oft hörbare Knurren in diesem Fall kann leicht mit einer angreiferischen Position verwechselt werden, etwa wenn der Hund etwas verteidigen will oder ein Verhalten ahndet. Dieses offensive Knurren unterscheidet sich allerdings von einem angstvollen Knurren durch das Fehlen des typischen „Zähnebleckens„. Ein unsicherer verängstigter Hund zieht beim defensiven Knurren seine Lefzen nach hinten und zeigt die Zähne um so die Dringlichkeit seiner Situation anzuzeigen: Ich verteidige mich wenn nötig! Wir dieses ignoriert kann dies auch tatsächlich geschehen, durch Abschnappen oder in letzter Instanz durch Beiβen.

Um zu verhindern, dass unsere Fellnase in die missliche Lage gerät sich verteidigen zu müssen, sollten wir verhindern, dass sich die Situation zuspitzt bzw. diese von vorneherein vermeiden.

 

Was sollte ich wissen?

Aller Intervention voran steht zunächst eine gründliche Beobachtung der Situation und Analyse der folgenden Aspekte:

  • Was ängstigt meinen Hunde? Bestimmte Geräusche, Objekte, Personen, etc.
  • In welchen Momenten tritt die Angst auf?
  • Wann ist seine Reaktion stärker/schwächer?
  • Wie habe ich bisher darauf reagiert?
  • Hat er bereits andere Faktoren mit der Angst verbunden? z.B. an der Leine ziehen.

Wichtig ist auch die Ursache der Angst zu suchen. Wie eingangs erwähnt, gibt es auch unter Hunden Charaktere, die eher zu ängstlichem Verhalten neigen als andere, allerdings hat eine ausgeprägte Panikreaktion immer einen Grund und ist kein natürliches canides Verhalten. Die häufigste Ursache sind demnach Negativerlebnisse in der Vergangenheit des Tier wie z.B.:

  • zu frühe Trennung von der Mutter
  • erlerntes Angstverhalten von andern Hunden oder Menschen
  • geringe Sozialisierung mit andern Tieren und/oder Menschen
  • schlechte Haltungsbedingungen
  • falsche Erziehungsmaßnahmen
  • Überforderung
  • Misshandlung
  • Unfälle

Besonders bei älteren Hunden, die ihr Angstverhalten erst mit der Zeit entwickelt haben, sollte der Gang zum Tierarzt erfolgen, da die Angst aus Verunsicherung heraus entstehen kann, weil gewohnte Sinne eingeschränkt sind (z.B. Sehkraft oder Hörvermögen) oder weil Schmerzen bestehen aufgrund von Erkrankungen.

 

Wie gehe ich mit einem Angsthund um?

Die oberste Verhaltensregel in jedem Fall ist: Ruhe bewahren, keine schnellen oder ruckartigen Bewegungen machen. Es ist wichtig, dass der Hund das Gefühlt hat von einem souveränen Menschen geleitet zu werden, der ihn schützt und verteidigt. Je nach Schlüsselreiz kann dies unterschiedlich aussehen, die Grundposition ist allerdings meist die Barriere bzw. das Positionieren zwischen Hund und angstauslösendem Objekt. Vermieden werden sollte unbedingt der direkte Blick in die Augen und das Beugen über das Tier, da beide Gesten bedrohlich wirken.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist es die Vermeidung, d.h. die Angstquelle vor dem Hund zu erkennen und diese so gut es geht zu umgehen. Frontale Konfrontation um zu zeigen, dass unserem Liebling nichts passiert, bringt hier gar nichts. Er wird vielmehr das Vertrauen in uns als kompetenten Anführer verlieren, denn er weiß nicht, zu welchem Zweck wir uns in direkte (wenn auch unwirkliche) Gefahr begeben. Wichtig ist hierbei eine lange und lockere Leinenführung: die Spannung der Leine oder das Zerren wird die Anspannung des Hundes nur vergröβern. Vielmehr sollte man das Objekt ignorieren, um zu zeigen, dass dieses keiner Aufmerksamkeit würdig ist. Dies gilt besonders beim vorher genannten „natürlichen Dazwischen-Stellen“.

Sollte die Angst überwiegend drauβen einsetzten, ist es wichtig den Hund dort nie alleine zu lassen, auch nicht nur für fünf Minuten wartend vor einem Kiosk. Er wird sich schutzlos und ausgeliefert fühlen, da er angebunden keine Möglichkeit hat zu fliehen. Dies kann das Vertrauen in seinen Menschen ebenfalls empfindlich stören. Abgesehen davon ermöglicht man Dieben, die regelmäßig „Opfer“ für illegales Hundekampftraining suchen, ein leichtes Spiel. Im Übrigen sollte man in jeder Situation immer darauf achten, dass der Hund einen freien Fluchtweg hat.

Fear super market

Verhaltenstherapeutisch sinnvoll kann auch die Desensibilisierung des Hundes sein: Es wir ein Übungsprogramm entwickelt, das den angstauslösenden Reiz schrittweise mit einer positiven Erfahrung verbindet wie bspw. eine Belohnung, wenn sich die vermeintliche Gefahr ergibt. Wenn der Vierbeiner die Quelle schließlich weitestgehend ignorieren kann, wird er durch dieselbe Methode langsam immer näher an das Objekt heran geführt. Dies kann je nach Schwere des Falls einige Zeit dauern und sollte in sehr kleinen (Fort-)Schritten realisiert werden.

In besonders schwierigen Fällen sollte der Gang zu einem Hundetrainer keine Frage sein, da dieser sich auch dem (oft unbewussten) Fehlverhalten des Menschen annehmen kann.

In jedem Fall sollten wir uns in Geduld, Verständnis und Selbstkontrolle üben, auch wenn es oft schwer fällt und das verhalten des Hundes an unseren Nerven zerrt. Impulsives Verhalten unsererseits wird die Situation nur noch verschlimmern.

 

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